Warum ist am Ende vom Geld immer noch so viel Monat übrig …

5 Dez

(Dieser Beitrag ist von März 2014)

… um genau zu sein: es sind noch 12 Monate.
Mir war von Anfang an klar, dass es sehr gewagt ist, mit meinem Budget von knapp 1.000 Euro ins Ausland zu gehen, für 15 Monate. Ich hatte mir auch ein wenig Sorgen gemacht, aber ich dachte mir: das wird schon irgendwie. Ich will ja auch arbeiten, also wird das schon.

Jetzt sind über 2 Monate vergangen, und ich habe so langsam aber sicher nur noch knapp 50 Euro, obwohl ich zwischendurch noch Weihnachts- und Geburtstagsgeld überwiesen bekommen hatte.

Aber leider waren die vielen unerwarteten Kosten, die ich hier und da noch bezahlen musste, einfach zu hoch.

Im Januar ging ich zu meiner alten Arbeitsstelle, einem Café. Ich meinte, dass ich wieder im Lande sei und ich, wenn ich gebraucht werde, wieder arbeiten könnte. Leider brauchen sie mich gerade nicht, sagten sie. Schade!

Also suche ich schon seit Mitte Februar nach einem Job. Erst habe ich mich in einem riesen großen Supermarkt beworben, um dort Regale einzuräumen. Um ehrlich zu sein, ich wollte schon immer Regale einräumen. Da ich zu meiner Schulzeit nie so einen Nebenjob machen konnte, wollte ich es hier gerne versuchen. Also habe ich meine erste Bewerbung auf Japanisch geschrieben, ein schönes Foto draufgeklebt und persönlich abgegeben. Ich war voller Zuversicht, bis mir schon beim Abgeben der Bewerbung gesagt wurde, dass hier eigentlich keine Ausländer arbeiten (dürfen? Sollen?). Ganz geknickt ging ich zum Ausgang, als mir eine Mitarbeiterin noch hinterher lief und sagte, dass mich der Geschäftsführer sehen will. Hoffnung!
Als ich mit dem Geschäftsführer redetet, tat ich das, was man in Japan so macht: nicken und „hai“ (dt: ja) sagen. Man gibt nach jedem Satz einen Laut von sich. „Hai. Un. Nnn. Sou? Eeh!“ Und das nicken nicht vergessen. Ich denke, dass ich dies unglaublich gut drauf habe, das Problem ist nur: Verstehen tue ich so gut wie nichts. Japanisch besteht aus vielen Stufen der Höflichkeit, und einige habe ich noch nicht in der Schule gelernt. Also einfach nur nicken, und hoffen, dass der Gegenüber keine Frage gestellt hat. In meinem Fall mit dem Geschäftsführer,  hatte ich Glück. Keine Frage gestellt, und als irgendwann die Vertraute Vokabel „Telefon“ fiel, war mir klar, dass er zurück rufen wird. Ich frage mich noch heute, was er ca. 3 Minuten erzählt hat …
Naja, eine Woche wartete ich, und leider kam kein Anruf. Ein paar Tage später kam dann meine Bewerbung zurück, und ein langer „Entschuldigungsbrief“. Darin stand, dass sie wirklich versucht haben zu schauen, was ich machen könnte (Regale einräumen; Essen kochen; Kasse; in den kleinen Läden arbeiten, die in dem Supermarkt sind usw.), aber leider war nichts dabei. Entweder ich wurde nicht gebraucht, oder es war zu schwer. Ich war wirklich traurig. Nachdem ich mit dem Geschäftsführer geredet hatte, hatte ich eigentlich ein richtig gutes Gefühl.

Meine nächste Bewerbung schrieb ich an ein Café in der Nähe meiner Schule. Da ich vorher auch schon in Deutschland und in Japan in einem Café gearbeitet hatte, malte ich mir auch hier gute Chancen aus. Leider suchten die gerade keine neuen Leute … wieder sehr niederschlagend, und das Geld ging immer weiter aus …

Danach bewarb ich mich, typisch Japan, in einem Sushiladen. Ich bekam sogar ein Vorstellungsgespräch und packte mein bestes Japanisch aus, was ich zu bieten hatte. Der Geschäftsführer dort redete auch ein wirklich ein tolles Japanisch, was ich ohne Probleme verstand und auch problemlos beantworten konnte. Obwohl mich ein paar Fragen sehr gewundert hatten und ich lieber zweimal nachfragte, bevor ich etwas total Blödsinniges antworte. Zum Beispiel fragte er, was ich mit dem Geld anstellen würde, was ich hier verdiene würde. Da ich wirklich nicht wie eine Japanerin aussehe, dachte ich erst, ich hätte ihn missverstanden. Ich meine, was mache ich als Ausländer wohl mit dem Geld? Miete und Essen bezahlen, um weiter hier mein Leben finanzieren zu können … nachdem ich ihm „Miete und Essen bezahlen“ antwortete, sah er so aus als würde er etwas mehr erwarten. Also sagte ich, dass ich auch unglaublich gerne N3DS mit japanischen Games spiele und die auch nicht gerade billig sind, und dass ich gerne Mangas lese und die mir dann kaufen könnte. Dann fragte er, welchen Manga ich am besten finde: Conan! Da hat er mir sogar zugestimmt. Jeder liebt Conan in Japan! 
Leider fragte er mich dann, welchen Fisch ich am liebsten Esse … und ich hasse Fisch und alles was aus dem Meer kommt. Natürlich habe ich ihm das so nicht gesagt, aber ich meinte schon, dass ich keinen Fisch esse. Und natürlich warf ich sofort hinterher, dass es mir gar nichts ausmacht, mit Fisch zu arbeiten. Dann fragte er mich, was ich hier immer esse, wenn ich hier bin: und das ist nun mal Kappamaki. Das ist Sushi mit Gurke. Und das ist die Wahrheit, ich esse nun mal nur das. Und Sushi mit Fleischbällchen mit Mayo … ja das gibt’s und schmeckt lecker!
Auch er meinte, dass er sich innerhalb einer Woche melde, und wenn er das nicht täte, dann hätte ich den Job nicht bekommen …: ich bin immer noch arbeitslos.

Da das Geld jetzt wirklich sehr, sehr, sehr knapp ist, muss ich wohl in den sauren Apfel beißen: Ich muss in eine Fabrik. Gestern hatte ich ein Vorstellungsgespräch in einer Fabrik. Das Gespräch lief gut, doch die Arbeit in der Fabrik sieht sehr hart aus. Es ist unglaublich laut, man darf sich nicht setzen und du wirst von einem Oberaufseher beobachtet und wenn du zu langsam bist oder etwas falsch machst, gibt’s was auf die Finger! (Auch wenn es nur Worte sind, es schmerzt und versetzt einen nur mehr in Panik!)

Doch, wie eine Rettung in letzter Sekunde: ich bekam am selben Tag des Bewerbungsgesprächs eine Mail von meinem alten Café, ob ich nicht zufällig Zeit um 17 Uhr hätte und arbeiten könnte.
Ich arbeitete von 17 bis 22 Uhr im Café und es war toll! Es ist toll, wenn man eine Arbeit hat, wo man auch mit Japanern in Kontakt kommen kann. Richtig reden kann! Bevor ich dann nach Hause ging, fragte ich den Besitzer, ob ich nicht wieder jeden Tag arbeiten könnte, denn ich brauche jetzt wirklich einen Job! Wenn ich den Job hier nicht bekomme, muss ich in die Fabrik! Das machte ihn (hoffentlich) nachdenklich und ich hoffe und bete, dass er mir heute sagen wird, dass ich dort arbeiten kann.  Heute werde ich wieder von 17 Uhr arbeiten, und ich hoffe, dass er sich positiv entscheiden wird. Ich will nicht in die Fabrik, müsste es aber notgedrungen machen, da ich kein Geld mehr habe.

Übrigens, mit meinem Studentenvisum kann ich maximal 28 Stunden in der Woche arbeiten.
Nehmen wir an, ich bekomme den Job im Café. Das sind 800 Yen pro Stunde (ca. 5,70 Euro). Sollte ich dann 20 Stunden in der Woche arbeiten (was am realistischsten ist), dann wären das 64000 Yen (ca. 450 Euro) im Monat. Mit dem Geld kann ich meine Miete, ein Einzelzimmer, bezahlen (36000 Yen) und auch das Essen finanzieren. Es wird immer gesagt, dass Japan sehr teuer ist, was ich auch nicht bestreiten will. In Tokyo kostet die Miete für ein Doppelzimmer mindestens 70000 Yen. Aber hier, wo ich wohne, kostet alles nicht soviel, weil es hier nur Felder gibt und sonst nichts. Also ein richtiges Dorfleben.  Und die Umrechnung von Euro zu Yen ist der Wahnsinn. Zum Beispiel hebe ich 500 Euro ab und bekomme 70000 Yen. Das ist unglaublich viel! Doch dafür tut es umso mehr wehr, wenn man hier arbeitet. Ein Stundenlohn von ca. 5,70 Euro!

Aber naja, was tut man nicht alles, um in seinem Traumland bleiben zu können!

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Und auch dieser Beitrag ist jetzt nun schon über 9 Monate her, und ich muss sagen, dass ich auch danach nicht weiter viel Glück hatte mit der Arbeitssuche.

Das Cafe in dem ich schon immer gearbeitet habe, hat mich dann doch nur jeden Freitag für 3 Stunden arbeiten lassen, was leider absolut kein Geld brachte. Irgendwann, im August rum, konnte ich dann fast täglich arbeiten und habe endlich genug verdient, um ein wenig auf eigenen Füßen zu stehen.

Aber ja, die Arbeitssuche ist hart in Japan, man muss leider viele Erwartungen und Wünsche runterschrauben. :(

Fast wäre ich in einer Fabrik gelandet, was so das letzte ist, was man machen will. Deswegen, falls ihr nach Japan kommt, denkt immer daran, dass ihr viel Geld oder Erspartes mitbringt, um erstmal über die Runden zu kommen.

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2 Antworten to “Warum ist am Ende vom Geld immer noch so viel Monat übrig …”

  1. DigiFox 5. Dezember 2014 um 11:10 #

    Interessant. Also setzen Sie dich mit deinem Studenten Visum, obwohl du Deutsche bist, mit den ganzen anderen gleich.
    Die Schule hat dir dann wohl auch keinen Job gesucht, bis auf die Fabrik…

    Gifu ist zwar billig, aber es gibt wenig Ausländer. In Nagoya oder Tokyo hättest du sicher bessere Chancen gehabt, auch wenn es da dann wieder noch teurer ist.

    Gibt es keine Chance mit dem Lehrer Job ein wenig Geld zu verdienen?
    Yamada-sensei fragen, wo du dich melden kannst oder einen Aushang machen kannst für Privatunterricht.
    Deutsch ist natürlich nicht super beliebt, trotzdem sollte es Studenten geben, die mit einer richtigen (noch dazu Süßen!) Deutschen reden und lernen wollen und das auch für Geld.

    Fand den Beitrag aber interessant.Würde gern mehr lesen.

    • wasjp 5. Dezember 2014 um 11:25 #

      Hallo Dennis! Lange nichts mehr von dir gehört, hoffe dir geht es gut! :3
      Ich verdiene aktuell richtig viel mit dem Lehrerjob, pro Unterrichtsstunde ca. 8000 Yen. Es sind aber „nur“ acht Einheiten, also 8 Stunden. Ist also nur ein Nebenbeijob und befristet. Aber dazu werde ich ca. nächste Woche etwas schreiben, weil nächste Woche mein letzter Arbeitstag ist. :) Aber ja, der Lehrerjob ist einfach super toll!!! Und danke fürs lesen!

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